Einige
prominente Bullen
Zu Beginn der Besamung wurden alte, im Natursprung bewährte Bullen eingesetzt. Schon bald wurden die Bullen zum einen wegen der durch die Tbc - Bekämpfung bestehenden Bullenknappheit, aber auch zur Blutauffrischung außerhalb des Zuchtgebietes auf Märkten in Blaufelden, Moosbach, Wertingen oder auch aus dem kurhessischen Zuchtgebiet erstanden. Mit den stets wachsenden Besamungszahlen und vor allem mit dem stets vermehrten Interesse der Landwirte an der Milchleistungskontrolle konnte von staatlicher Seite ein Bullenprüfprogramm für Jungbullen entwickelt werden. Heute sind die Begriffe „Gezielte Paarung“. „Bullenmutter“, „Prüfbulleneinsatz“ in jedermanns Munde und zur Erlangung von Spitzenvererbern ein absolutes Muß. Die Besamungsstation Marktredwitz hat es durch eine sorgfältige Bullenauswahl, einen straffen Prüfbulleneinsatz und einer guten Portion Züchterglück stets geschafft, trotz ihrer geringen Größe, stets in der Spitze mit dabei zu sein. In den zurückliegenden 50 Jahren wurden von der Besamungsgenossenschaft knapp über 1000 Prüfbullen getestet. Einige davon haben große Karriere gemacht. Es steht ihnen zu, an dieser Stelle erwähnt zu werden.

Einer der ersten Besamungsbullen war - neben Punsch und Plinias der am 2.9.1948
in der Strafanstalt Bayreuth geborene Bulle „Erbonkel 34867“. Vom 1.4.1953 bis
26.7.1954 im harten Besamungseinsatz leistete er tierzüchterische
Pionierarbeit. Seine letzten Töchter wurden 1972 geschlachtet. Ein Beweis für
die Ausdauer und Leistungsbereitschaft seiner Töchter.

Es folgten ihm der Roland-Sohn "Rubens U2494" (Z: Backfisch, Schollbrunn, Baden) und der in Blaufelden als Jungbulle ersteigerte Karl-Sohn "Konus 264".
Das erste Mitteilungsblatt der Besamungsgenossenschaft erschien 1968. Der erste Vorsitzende Gustav Gläßel erwähnt in seinem Vorwort, daß es bei einem Mitgliederbestand von 7´196 Genossen nicht möglich ist, die Verbindung mit Tierhaltern und Gemeinden durch persönliche Besuche aufrecht zu erhalten und dies zum Anlaß genommen wurde, in regelmäßigen Abständen ein Mitteilungsblatt zu veröffentlichen.

Das Titelbild ziert der Bulle „Diamant 01834 / KH“ im Alter von 12 Jahren. Von September 1959 bis Juli 1967 wurden von Ihm 16´073 Erstbesamungen durchgeführt. Die Besamungsgebühr betrug damals 16,- DM (Techniker), bzw. 19,- DM (Tierarzt). Die Trächtigkeitsuntersuchung war in der Gebühr enthalten. Die Durchschnittsleistung der damaligen Prüfbullenmütter betrug 5437 kg Milch bei 4,37 % Fett.

Die beiden Halbbrüder „Perler 3600“ (Foto) und „Preller 3630“ beeinflußten die Zucht in den auslaufenden 60er Jahren in unserer Region wesentlich. Mit 22´162 (Perler), bzw. 25´565 Erstbesamungen über einen Zeitraum von über 10 Jahren wurde die hervorragende Genetik schon zu damaligen Zeiten gut ausgenutzt.
Der Harald-Sohn "Harkus 62504", von Herrn Will in Fenkensees gezogen, stand in der Zuchtgenossenschaft Köditz und hat dort Töchter mit hervorragenden Eutern und guter Leistung hervorgebracht. Aus diesem Grund wurde er an die Station in Wölsau verbracht. Seine Leistung hat er zuverlässig an seine Söhne weitervererbt. So wurden drei seiner Söhne an der Landestierschau in Ingolstadt in Körklasse I eingestuft und fanden großes Interesse bei der Käuferschar.
Der Stier "Marbo 36390" aus der Zuchtgenossenschaft Stockau war ein herausragender Kuhmacher. Er sollte wegen Bösartigkeit auf Anweisung des Zuchtleiters Dr. Reitmeier geschlachtet werden, fand jedoch in Wölsau seinen Meister. An der Kreistierschau in Thiersheim konnte seine Nachzucht bewundert werden.

Am 1. Mai 1971 konnte im Rahmen der Bullenparade das 20 – jährige Jubiläum der
Genossenschaft gefeiert werden. Der damals wohl meistbeachtete Hektus - Sohn
„Heiner 38250“ präsentierte sich vor über 3000 Zuschauern und Ehrengästen. Die
Festveranstaltung wurde durch die Ansprache von Staatsminister Dr. Eisenmann
gekrönt. „Heiner 38250“ stellte 1976 die Weltrekord – Fleckviehkuh „Ulrike“ (B:
Georg Hirmer, Seibertshof, NEW). Die Kuh Ulrike erbrachte 1976 – vor 25 Jahren!
- eine Jahresleistung von 12322 kg Milch bei 4,70 % Fett und stand damals an
der Weltspitze sämtlicher Fleckviehkühe.

Der Salus – Sohn „Saul 38375“ bestach in seiner Einsatzzeit von 1972 – 1977 durch
hervorragende Milch- und Eutervererbung sowie eine ausgezeichnete Fruchtbarkeit
und Samenqualität.
Mit über 44´000 Erstbesamungen ist er in dieser Zeit
der am weitesten verbreitete Bulle in unserem Gebiet. Er entsprach dem
damaligen Zuchtziel des kleinen Fleckviehtypes, der mit wenig Futter seinen
Erhaltungsbedarf decken konnte.

1973 wurde der wohl
bedeutendste Vererber der Station Wölsau geprüft. Der am 12.12.1971 geborene
Haxl-Sohn "Hassan 38569" von J. Haindl, Haistrach – Palling (Obb.)
gezogen hat bis zu seiner Schlachtung im Alter von etwas über 10 Jahren über
35´000 Nachkommen gezeugt. Weltweit in den Zuchtprogrammen als Bullenvater
eingesetzt hat er die Fleckviehzucht mit geprägt. Seine Langlebigkeit, seine
makellosen, umsatzbetonten Töchter mit
ihren geräumigen, leistungsbereiten Eutern konnten überzeugen. Die
Langlebigkeit seiner Töchter war legendär. Noch heute führt "Hassan
38569" die Zuchtwertschätzliste für Nutzungsdauer in Österreich an!
Seine Nachfolge tritt der Halb-Sohn „Hafer 32551“
von E. Weber, Oberwasungen an. Fantastische Euter gepaart mit Top-Leistungen
waren auch in dieser Zeit modern und beliebt.
1980 wurde im Einzugsbereich der Besamungsstation
Wölsau das erste Mal die 100´000 kg Milch – Schallmauer durchbrochen. „Ursel“,
eine Kondor – Tochter des Reinhard Wolfrum in Ochsenbrunn übertrifft die
magische Grenze 1980 im Alter von fast 19 Jahren mit 100´343 kg Milch bei 3,99
% Fett.

Stress-Sohn in Guapava / Brasilien
Am Dezembermarkt 1985 in Bayreuth ging nach einem
gemeinsamen Ankauf durch Kurt Boss (Gießen) und Willi Küspert ein weiterer Star
am Fleckviehhimmel auf. Für 6400,- DM wurde der von Herrn Mai in Zedersdorf
gezogene Streif - Sohn "Stress 33559" gesteigert. Aus dem Prüfeinsatz
gingen außerordentlich quellige, hervorragend bemuskelte Jungkühe mit Spitzen –
Fundamenten hervor, die Stress für das Zuchtprogramm in der gesamten
Fleckviehwelt qualifizierte. Stress – Töchter fielen in den Betrieben deutlich
auf, viele Stress – Töchter dominierten Tierschauen im In- und Ausland. In den
nächsten Laktationen zeigte es sich, daß die Aufhängung der Euter doch noch
einige Wünsche offen ließ. Trotzdem findet sich Stress auch aufgrund seiner
sicheren Leistungsvererbung in vielen Abstammungen von Besamungsbullen auf der
männlichen und auch auf der weiblichen Seite wieder. Selbst in Brasilien und
Südafrika stellte Stress Siegerbullen.

Oktober 1988 in
Ansbach: Der Renner-Sohn „Rambo 33722“ wechselt für 6000,- DM den Besitzer.
Sein Züchter, Herr Fragner, gab den Stier nur ungern für diesen geringen Preis
ab. Da nur wenig Stiere mit Renner- oder Radi – Blut in Wölsau geprüft wurden,
sollte sich Rambo später zu einem regelrechten Glücksfall für Wölsau erweisen.
Von der Zuchtwertprüfstelle erhielt Rambo Besamungserlaubnis, obwohl bei der
Nachzuchtbewertung vermehrt Afterstriche festgestellt wurden. Ein Phänomen, das
sich im Zweiteinsatz als nur unbedeutend herausstellte. Sehr rahmige,
leistungsbereite Töchter mit hervorragenden Eutern überzeugten die
Züchterschaft. Einige Rambo – Söhne laufen zur Zeit mit ihren Leistungen an und
lassen eine positive Vererbungstendenz erwarten. Die Euterreinheit wurde keinem
Rambo – Sohn zum Verhängnis!

Der Bonn – Sohn „Bonsar
33763“ aus der Larsen – Tochter Taxi von Herrn Schleicher aus Hemau wurde im
Januar 1989 in Schwandorf gesteigert. Seine ausgeglichene Nachzucht in
mittlerem Leistungsniveau überzeugte zu Beginn seiner Karriere nicht. Erst später,
als die Samenreserve leider schon zur Neige ging, wurden seine Qualitäten
entdeckt. Der zur Zeit in Neustadt und in Wölsau im Einsatz stehende Stier
"Borneo 34490" (s. Foto S.42 oben) trägt als Allround – Vererber
wesentlich zur Zucht guter Gebrauchskühe bei. Auf der Bullenmutterseite und bei
Tierschauen ist der Name Bonsar des öfteren zu finden.

Der erste Stier aus dem
MOET – Zuchtprogramm, damals nur von Zuchtverband in Bayreuth getragen, war der
Stier „Honni 34012“. Der Hodscha-Sohn aus der Baldur-Töchter Loni des Herrn
Konrad Dörfler aus Speichersdorf wurde 1990 als Kalb ab
Stall gekauft und an der Station in Wölsau
aufgezogen. Als herausragender Exterieurstier mit ansehnlichen Leistungen fand
er später regen Absatz im ganzen Fleckviehgebiet.

Der von Herrn
Stammberger in Creidlitz gezogene Romen Sohn "Rogen 165091" führte zu
Beginn des neuen Jahrtausends mit Abstand die Liste der Fleckviehbullen sowohl
beim Gesamtzuchtwert als auch beim Milchwert an. Die konsequente Auswahl der
Prüfbullen nach Leistungskriterien schlägt sich in diesem Stier nieder. Leider
wird sein Einsatz etwas begrenzt durch die negative Rahmenvererbung, die auf
seinen Vater Romen zurückzuführen ist.
Stets fanden Wölsauer Bullen Einzug in das
Bayerische Zuchtprogramm und wurden im Rahmen der 1966 eingeführten „Gezielten
Paarung“ eingesetzt. Folgende Bullen haben dadurch zum Teil auch Ruhm und
Einfluß in der gesamten Fleckviehwelt erhalten:
1965: Diamant, Puffer, Perler
1966: Harkus
1968: Polly
1970: Punkt, Heiner
1972:
Saul
1973:
Ball, Dill
1974:
Sand, Seppl
1975:
Ralf
1977:
Hassan, Sir, Norbert
1978:
Caruso
1979:
Salto
1980:
Geier
1981:
Hafer
1982:
Hess
1983:
Hascher
1984:
1985:
Hektor, Picasso, Egmont, Gerber
1986:
Helot, Baldur
1987:
Ponton, Rolf, Tapir
1988:
Romanus, Albert
1989:
Hupfer, Rom
1992:
Stress, Bambi, Geha
1993:
Bonsar, Rambo
1994:
Bellamie, Zano
1995:
Hobo, Honni, Dispo
1996:
Motor, Stalo
1997: Spiro, Stark
1998: Honnef, Hucki, Zeurad
1999: Hosam, Borneo
2000: Hagtor, Friese, Rost, Renom, Rester
2001: Hoste, Malard, Reporter, Repuls, Rosner
2002: Eilig
Mit der guten Akzeptanz in der Verwendung von
Tiefgefriersamen und der von der Station massiv geförderten Ausweitung der
Leistungsprüfung konnten auch bedeutende Entwicklungen in der
Zuchtwertschätzung vollzogen werden. So wurde 1980 die traditionelle Bewertung
der Kühe und der Bullennachzuchten mit Typ – Form – Euter (Noten 1-5) abgelöst
durch die Bewertung von Rahmen – Bemuskelung – Form und Euter mit den Noten 1 –
9. Schon 1987 wurde die Nachzuchtbewertung erneut verfeinert und ein
qualitatives lineares System mit 17 Bewertungspunkten (1=schlecht, 9=sehr gut)
eingeführt. Auch die Euterreinheit wurde dabei in die Bewertung integriert.
Nach nur 12 Jahren wurde das qualitative Bewertungssystem in ein quantitatives
umgewandelt, wobei der Wert 1 das eine Extrem und der Wert 9 das andere Extrem
des Merkmales beschreibt. Dadurch ist es nun auch möglich, für die
Exterieurmerkmale ein echtes Zuchtwertschätzverfahren nach dem Tiermodell zu
vollziehen.
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